Bericht vom Lehrgang in Eggmond 1997

"Grenzerfahrungen" an Hollands Küste

Bereits zum dritten Mal lud das Karate-Dojo Nakayama aus Krefeld unter der Leitung von Erwin Querl, 4. Dan, vom 14. bis 16. September 1997 zum alljährlichen Konditionslehrgang in Egmont aam Zee nach Holland ein. Die Besonderheit dieses außergewöhnlichen Lehrgangs mußte sich mittlerweile rumgesprochen haben, denn insgesamt 15 Karatekas aus vier verschiedenen Dojos, stellten sich der Herausforderung, den größten Sieg zu erringen: den Sieg über sich selbst.
Dazu bekamen wir auch gleich am Freitagnachmittag, nachdem die Zeltburg errichtet wurde, die erste Gelegenheit. Im traditionellen Gi ging es im Laufschritt hinter unserem Sensei kreuz und quer durch die weitreichende und wunderschöne Dünenlandschaft in Richtung Meer.  Zwischendurch wurden auf schmalen Pfaden, sandigen Hügelanstiegen und panoramaverwöhnten Dünenlandschaften Kihon und Kumite trainiert, wobei die wichtige Komponente im Karate "Standfestigkeit" eine neue Dimension erfuhr. Am Strand angelangt, wurden wir von der tosenden Nordsee in Empfang genommen, und ein weiterer Gegner stellte sich uns entgegen: der Wind. Unbarmherzig blies er und ins Gesicht und verwandelte die Gi-Jacke in einen Bremsfallschirm.  Am Strand konnten wir dann auch unsere Laufschuhe ausziehen und die eigentliche Trainingseinheit mit dem Schwerpunkt Kata wurde in dieser Kulisse zu einem ganz besonderen Erlebnis für Geist, Körper und die Sinne. Die Zeit völlig vergessen, mahnten uns tiefhängende schwarze Wolken, den Rückweg anzutreten und schon bald hämmerten dicke Regentropfen gegen das immer schwerer werdende Gi. Das labyrinthartige Wegenetz durch die Dünen wurde uns plötzlich.zum Verhängnis und die Suche nach dem richtigen Weg bei diesem Unwetter wurde zu einer echten "grenzerfahrung",wie es ein Teilnehmer pasend formulierte. Als Retter erwies sich schließlich ein holländischer Jogger, der den merkwürdig gekleideten Dünenläufern den rechten Weg zum Campingplatz zeigte, den wir dann auch nach insgesamt über zweieinhalb Stunden wieder erreichten. Belohnt wurden wir dann am Abend mit einer zünftigen Grillparty, mit allem was das Herz und der ausgelaugte Körper begehrte.

Am Samstag standen nun drei Trainingseinheiten - die erste bereits kurz vor Sonnenaufgang (!) - auf dem Plan, mit Karatetraining am Strand und dem obligatorischen Dünenlauf, der nun aber etwas kürzer ausfiel. Zwischen den Einheiten konnte man seine müden Knochen im Camping-Pool etwas auflockern, sich im Bogenschießen messen oder sich einfach die spätsommerliche Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Am Abend wurden wieder die Energiedepots mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten gefüllt und auch der Flüssigkeitsverlust wurde gebührend ausgeglichen. Anschließend besuchten wir ein nahegelegenes Freizeitbad mit großer Saunaanlage, die wohltuend auf die stark beanspruchte Muskulatur wirkte. So ging es dann auch am Sonntagmorgen relativ schmerzfrei ans Meer zur letzten Trainingseinheit, die ihren Höhepunkt mit chokuzukis im kiba-dachi im hüfttiefem Wasser gegen entgegenkommende Wellen erreichte. Auch das Abgrüßen im seichten Meerwasser mit dem Rauschen der Wellen, und der Sonne war ein Erlebnis, daß einem alle Strapazen und Schmerzen vergessen ließen.

Um "Grenzerfahrungen" , der besonderen Art reicher, die keiner der Teilnehmer bereut hat, endete ein Lehrgang, der in allen Einzelheiten von Erwin perfekt organisiert war und so wird manchem im heimischen Dojo beim Zazen noch das Rauschen der Wellen im Ohr nachklingen.

 

0ss, H. Hinkelmann 


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