Bericht vom Fugazzalehrgang 2006

F wie Faszination, Forza! oder ... Fugazza!!

Fotos vom Lehrgang

Am Abend des 24.03.06 versammelten sich wie üblich Aktive des Nakayama Dojo in ihrer Halle, um das letzte Training der Woche zu absolvieren. Schon während des individuellen Aufwärmens fragten sich einige, wer wohl dieser „neue“ Danträger sei. Als sich dann auch noch Erwin- Sensei ganz rechts positionierte und angrüßte, war klar: das muss ER sein! Carlo Fugazza! Das Nakayma Dojo Krefeld richtete an diesem Wochenende zum ersten Mal einen Lehrgang mit Maestro Fugazza aus, und besagte Trainingseinheit war für uns ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns erwarten würde.

Freitag Abend:

Fugazza Sensei beobachtete schon vor Beginn der Trainingseinheit, wie Erwin das Bunkai zur Kata Gojushiho Sho mit einem seiner Sempai wieder und wieder durchging (Erwin bereitet sich gerade für seine Prüfung zum 6. Dan am 31.03.06 vor).
Das Training begann mit Kombinationen vorwärts und rückwärts, welche die gängigen Techniken beinhalteten. Im Anschluss daran machten alle die Kata Heian 1 und Heian 3. Fugazza Sensei konzentrierte sich dabei auf die korrekte UND möglichst schnelle und starke Ausführung aller Techniken, worauf er uns immer wieder aufmerksam machte. Dabei gab er auch wichtige Hinweise , WIE es gemacht werden sollte. Um der heterogenen Teilnehmergruppe (9. Kyu- Dan) gerecht zu werden ließ er uns einzelne Sequenzen dieser Kata anwenden - Bunkai!
Danach folgte die Kata Gojushiho Sho. Die Unterstufe setzte sich und beobachtete wie die Oberstufe Fugazza Sensei´s Anweisungen zu folgen versuchte. Nun durften auch die „großen“ den „kleinen“ bei der Ausführung der beiden Heian Kata zuschauen. Es folgten erneut Bunkai Sequenzen und speziell zu diesem Bereich äußerte sich Fugazza Sensei sehr ausführlich. Er nutzte einen sehr bildhaften Vergleich: Eine Kata nur in der einen (prüfungsrelevanten) Form zu lernen, zu üben und entsprechendes Bunkai zu entwickeln sei so, als würde man sich damit begnügen, den Mond als das zu betrachten, was man von der Erde aus sieht, und alles, was man nicht direkt sehen könnte zu vernachlässigen!
Die Kata birgt in sich versteckte Botschaften, die es gilt in Bunkai- Interpretationen zu entschlüsseln. Dies, sowie Konsequenz (Schnelligkeit und max. Anspannung) in allen Techniken bildeten den roten Faden, der sich an diesem Wochenende durch alle Trainingseinheiten zog.

Samstag:

Die Unterstufe übte sich in den Kata Heian 1- Heian 4, und die Oberstufe zunächst in der Kata Jiin, wobei ein anderer Ablauf gelernt wurde. Umfangreiche Bunkai -Sequenzen brachten den einen oder die andere Teilnehmer/in an die Grenzen der jeweiligen koordinativen Fähigkeiten. Anschließend übten wir Gojushiho Sho und entsprechendes Bunkai. Die Demonstrationen Fugazza Senseis ließen alle Anwesende staunen. Sein Kime war überwältigend und die Leichtigkeit mit der er die Anwendungen an seinen Sempais umsetzte motivierte uns.
Er betonte auch, dass Karate- Techniken stets mit vollem Bewusstsein und voller Konsequenz durchgeführt werden sollten. Das bloße Ablaufen einer Kata reiche nicht. Letztendlich sei Karate eine Kampfkunst, und in Gefahrensituationen müsse man: „...dass, was man machen muss entweder mit vollem Einsatz machen oder es bleiben lassen und besser weglaufen!“. Er verstand es die Prinzipien des Karate in Beziehung zum alltäglichen Leben zu setzen.
Nachdem nun die ca. 90 Aktiven den Trainingstag, und die Prüflinge die in der Pause durchgeführten Prüfungen bestanden hatten, folgte in den dojoeigenen Räumlichkeiten ein netter Abend mit einem vorzüglichen Buffet. Auch Fugazza Sensei ließ es sich nicht nehmen dabei zu sein.

Sonntag:

Es wurden in beiden Trainingseinheiten die jeweiligen Kata wiederholt und Fugazza Sensei motivierte uns alle zu konsequentem Tun.
In der letzten Oberstufeeinheit ging Fugazza Sensei auf die von uns vorher gelernte Form der Kata Jiin ein. Er erklärte, dass sie die einzige Kata sei, deren Ablauf nicht in den Büchern Nakayama Shihans abgedruckt sei. Zudem habe Kase Shihan seinerseits gesagt, dass ihm bei dieser Kata etwas fehle. Fugazza Sensei betonte dass wir möglichst beide Kata- Abläufe lernen und üben sollten, da sie sich ergänzten.
Wir lernten weitere Anwenungen der Gojushiho Sho und komplettierten somit die Kata. Fugazza Sensei nahm sich zwischenzeitlich ausgiebig Zeit, auf den Aspekt der Meister – Schüler- Beziehung einzugehen. Es gab wohl Momente, in denen Fugazza Sensei seinen Meister „nicht verstand“. Letztendlich aber sind, laut Fugazza Sensei, die Härte und das fordernde Verhalten eines Meisters, Ausdruck seiner Liebe zu seinen Schülern.
Mir persönlich waren diese Äußerungen besonders wichtig!
Er erzählte uns von seinen Anfängen, seiner damaligen Beziehung zu Shirai Shihan, seinem Kampf gegen den Zenkutsu dachi (den man eh nicht gewinnen kann!) und davon, dass auch er erst einmal lernen musste loszulassen!
Alles in allem ein faszinierendes Wochenende mit einem faszinierenden Maestro!

Ich hoffe den Bericht in möglichst richtiger chronologischer Abfolge verfasst zu haben, und nichts Wichtiges vergessen zu haben. Alle die dabei waren mögen mir verzeihen, falls dem nicht so ist.
Auch möchte ich mich noch einmal im Namen des Karate- Dojo Nakayama Krefeld ganz herzlich bei Fugazza Sensei für einen unvergesslichen Lehrgang bedanken. Unser Dank gilt auch den Sempai Markus und Alex für ihre Unterstützung.
Fugazza Sensei wird auch 2007 wieder nach Krefeld kommen!

OSS

Georgos Roumeliotis


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