Bericht vom Mallorcalehrgang 2002

Lehrgang in Mallorca 2002

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Vom 27.09.2002 bis einschließlich 4.10.2002 fand wieder einmal in Can Picafort - auf der schönen Baleareninsel Mallorca - der traditionelle Karate-Lehrgang mit Erwin Querl statt.
Mit 19 aktiven Karatekas aus unterschiedlichen Dojos und drei nicht-trainierenden (Ehe-)Partnern ging es freitags nachmittags vom Flughafen Düsseldorf in Richtung Süden.
Da sich nicht alle kannten, lernte man sich schon während des Hinflugs etwas kennen und man merkte schnell, dass sich eine homogene Gruppe gefunden hatte.
Die Truppe umfasste sieben Danträger, ein Braun-, vier Violette, drei Grün und vier Gelbgurte. Flug und Anfahrt waren im Voraus von Erwin gut organisiert und jeder Teilnehmer bekam einen Wochenplan, mit Trainingszeiten und -orten.
ImHotel angekommen wartete bereits eine Vorhut von drei Karatekas auf den Tross, die sich schon in der Woche vor dem Lehrgang die heiße Mallorcasonne auf den Bauch schienen lies.

Trainiert wurde täglich morgens von 7.30 bis 8.45 h, im hoteleigenen Dojo, und abends von 17.00 bis 18.30 am sonnigen Strand (nach einem fünf minütigem Joggen zum Meer).
Der Dienstag Abend war trainingsfrei und somit war dieser Tag für längere Ausflüge auf der Insel prädestiniert.

Als Trainingschwerpunkt für die Woche hatte Erwin die „Distanz“ gewählt.
Er zeigte uns in sehr vielen Variationen und Übungen wie komplex dieses simpel scheinende Thema wirklich ist.
Eine einfache Partnerübung war im Stand Kisami Zuki, wobei Erwin immer wieder großen Wert auf die korrekte und perfekte Ausführung und präzises Zielen legte ('zielen nicht schielen') – das hört sich so einfach an und ist dennoch in der Perfektion so unglaublich schwierig.
Ihm fielen unzählige Techniken und Kombinationen ein, die von Tag zu Tag aufeinander aufbauten und uns immer wieder von Neuem anspornten unser bestes zugeben. Wer Erwin als Trainer kennt weiß, das man ständig beobachtet wird; wenn man nur einmal etwas nachlässiger trainiert, unaufmerksam wird oder sich Fehler einschleichen, erspähen einen direkt Erwins Karate-Augen.
Da die Teilnehmerzahl auch begrenzt war, um die Gruppe übersichtlich zu halten, wurden alle Teilnehmer immer aufs Neue auf ihre Fehler aufmerksam gemacht. Erwin nahm unsere Versuche diese Fehler auszumerzen freudestrahlend zur Kenntnis.
Aufgrund des gesetzten Trainingsziel ergaben sich immer wieder Sätze, die Erwin öfter wiederholen musste, da wir offensichtlich nicht in der Lage waren alles sofort umzusetzen. Auch auf die grundlegenden Richtungen (rechts, links, vorne, hinten) musste Erwin hin und wieder einmal hinweisen. Hier ein paar Auszüge.
· Jeder muss sich den Schuh anziehen!
· Es gibt nur eine Außen, Linksaußen und Rechtsaußen, das andere ist vorne und hinten, das lernt man schon im Kindergarten oder bei der Sesamstraße!
· Leute, warum steh ich eigentlich hier?
· Macht doch nur das, was ich sage!
· Nicht nur dicke Backen machen!

Diese Sätze begleiteten uns nicht nur im Training sondern auch in unserer Freizeit und wenn man sich den Schuh auch anzog, regten sie uns zum Nachdenken über uns und unser Training an. Wer kennt das nicht: Man meint man strengt sich an, gibt alles aber in Wirklichkeit ist es gar nicht so - man hat halt nur dicke Backen gemacht.

Dienstag nach dem Morgentraining nahm Erwin in aller Ruhe noch drei Kyu-Prüfungen ab, die auch alle bestanden wurden.
An unserem freien Dienstag teilte sich die große Gruppe, einige Autos wurden gemietet, um geheime Ecken der Insel zu erkunden. Einige Teilnehmer besuchten ausgiebig den Hausstrand in Can Picafort.
Das Abendprogramm war vielseitig und man traf sich nach dem Abendessen in der Hotelbar, um dann zusammen oder auch mal in kleineren Gruppen Can Picafort zu erkunden.
So haben wir eines Abends in netter Runde zu den Klängen von Bob Marley mehrere T-Shirts in einer Reggae Bar „ertrunken“- für drei Jamaica-Special-Cocktails gab es ein T-Shirt vom Haus.
Mittwoch Abend ließ Erwin uns mit offenen Augen zum Meer und zum Horizont hin abgrüßen; das war ein erhabenes und unbeschreibliches Gefühl. Meeresrauschen etwas Sand im Gesicht, gespiegeltes Licht der untergehenden Sonne auf dem Meer… So etwas nimmt man mit nach Hause ohne es je in treffende Worte fassen zu können.

Eine Begegnung der lustigen Art ereignete sich am Donnerstag Abend beim Strandtraining, als ein herrenloser Hund uns fast zur Verzweiflung brachte. Er lief immer wieder durch unsere Reihen und legte sich beim Kumite sogar einmal zwischen die Partner.
Ganz anders hingegen unsere Möwe: Sie wartete schon beim ersten Training am Strand auf uns, stolzierte um uns herum und schaute uns aufmerksam zu. Sie hielt uns in unseren Gis wahrscheinlich für Artgenossen.
Der Höhepunkt war wie immer unser letzter Abend, den wir in einem echten mallorkinischem Restaurant verbrachten. Es gab Fleisch und frischen Fisch vom Feinsten, frisch gegrillt auf dem Restaurantgrill mitten im Saal. Unsere Vegetarier kamen natürlich auch nicht zu kurz. Zum Essen spielte eine peruanische Liveband auf und animierte uns lauthals mitzusingen, selbst als die Band schon Feierabend hatte.
Als Danke Schön für diese prägende Woche überreichten wir Erwin schließlich ein großes Glas eingelegte Knoblauchzehen.
Wir glauben, alle Teilnehmer hatten einen sehr schönen und unvergesslichen Urlaub und eine tolle Karatewoche auf Mallorca.
Wir sind im nächsten Jahr auf alle Fälle wieder mit dabei

Oss Leo, Alex


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