Bericht vom Mallorcalehrgang 2003

Lehrgang in Mallorca 2003

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Auch in diesem Jahr war es wieder soweit: Am 26.9.2003 machten sich Karatekas verschiedener Dojos auf, in Can Picafort auf der sonnigen Baleareninsel Mallorca, eine Trainingswoche zu verbringen. Angeführt von Erwin Querl startete eine Gruppe von Düsseldorf, während ein anderer Trupp von Stuttgart aus nach Palma flog. Ein Transferbus brachte die Reisenden dann zu Ihrem Hotel in Can Picafort, wo sie schon von 4 Karatekas erwartet wurden, die bereits seit einer Woche ihren Urlaub auf der Insel verbrachten. Nach einer freudigen Begrüssung wurde das Gepäck ausgeladen: Samsonites, Reisetaschen, Survivalrucksäcke, Trolleys, der gute alte Lederkoffer,...doch was war das? Gehörte dieses längliche, unhandliche, bis zur Unkenntlichkeit einegwickelte 'Etwas' einem von uns? Ja, tat es... Das Geheimnis lüftete sich schnell, als Erwin das Lehrgangsmotto verkündete 'Kata Bunkai spezial ... unter anderem mit dem Bo am Strand' . Das machte uns sehr neugierig und wir waren gespannt, was uns erwarten sollte. Trainiert wurde täglich morgens von 7.30 bis 8.45 h im hoteleigenen Dojo, und abends von 17.00 h bis 18.30 h am sonnigen und sandigen Strand (nach einem fünf minütigem Joggen zum Meer). Der Dienstagnachmittag war trainingsfrei und jeder hatte Zeit, auch mal entferntere Orte und Gegenden der Insel zu erkunden.   

Nachdem die Zimmer bezogen waren, traf man sich zum gemeinsamen Abendessen im Speisesaal und knüpfte schnell Kontakt zu den Karatekas der anderen Dojos. Beim anschließenden Spaziergang an der Strandpromenade traff man alte Bekannte wieder: Die Kellner der Reggaebar waren sehr erfreut uns zu sehen und begrüßten uns sogar per Handschlag (Offensichtlich sahen sie ihren Umsatz für die Saison als gerettet). Nun, in eben diese unsere 'Fruchsaftbude' kehrten wir nach unserem Erkundungsrundgang (schließlich waren ja nicht alle zum 2., 3. oder gar 4.Mal dabei) ein, um einen der köstlichen Cocktails zu schlürfen. Ohne überhaupt in die Karte zu schauen bestellte 'die Feder' Dieter einen 'Jamaica Special', gab es doch im letzten Jahr nach jedem dritten ein T-Shirt. Doch da hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Der Kellner verkündete, daß er diese Aktion in diesem Jahr erst zum Saisonende starten würde...'Was sollte er denn jetzt den Rest der Woche anziehen?' Irgendwie muss der Kellner ihm das angesehen haben und so rückte er doch noch ein Exemplar der heißbegehrten Ware heraus, während wir uns durch die Karte probierten und uns des Lebens freuten...   

Pünktlich, teilweise etwas verschlafen trafen sich alle 19 Karatekas in der Lobby und man betrat erwartungsvoll das hoteleigene Dojo. Bevor Erwin aber zum Bunkai kam, hat er erst einmal die Kata gestellt... Das kann ja nicht so schwer sein: Heian Shodan, doch dann Heian Shodan ura (seitenverkehrt) und Heian Shodan go (rückwärts). Wer hier noch nicht Arme, Beine oder Gehirnwindungen verknotet hatte, wurde spätestens mit Heian Shodan ura go (seitenverkehrt und rückwärts) herausgefordert. Nachdem nun alle Richtungen und Variationen der Kata einstudiert waren, kam wegen der schon fortgeschrittenen Zeit nur ein kurzer Bunkai-Teil, bevor es kollektiv zum Frühstück ging. 

Gegen 16:45 Uhr joggte man zusammen zum Strand-Dojo und Erwin setzte fort, wo er morgens aufghört hatte. Heian Nidan und Heian Zandan waren die beiden Katas des Abends. Zur Steigerung der Flexibilität wurde auch hier wieder ura geübt. Anschließend wurde das Gelernte im Bunkai vertieft.   Nach dem Abendessen zogen dunkle Wolken auf, Blitze zuckten über das Meer und ließen den Horizont gespenstisch erleuchten. Gelegentliche heftige Schauer brachten die mallorcquinische Kanalisation an ihre Grenzen. Can Picafort ähnelte Venedig und die Hauptstraße dem Canale Grande. Gut, dass unser Hotel auch über eine Bar verfügte...   

Am Sonntagmorgen, 7:25 Uhr, hatten sich die dunklen Wolken verzogen. Es dämmerte langsam und das Training begann. Heian Jondan mit einem sehr ausführlichen Bunkai-Teil. Offensichtlich waren unsere Sonntagsmorgen-Techniken allesamt nicht vom Feinsten und so brachte uns Erwin mit Worten wie 'Das ist wie beim Bogenschiessen, da zielt man ja auch nicht neben die Zielscheibe' oder 'Ein Kampf ist erst zu Ende, wenn der Gegner sich nicht mehr bewegt' wieder die Bedeutung des Karate-Dos in den Sinn. Das Training zeigte auch beim Frühstuck noch Nachwirkungen und mit einer gekonnten Handbewegung verteilte Julia die durch die warmen Temperaturen recht flüssige Nuss Nougatcreme zielsicher über den Tisch und wurde prompt zur Miss Nutella gekürt.   

Nachmittags war es dann soweit, Erwin hatte sein ominöses Gepäckstück ausgepackt: Bevor es zum Strand ging erhielt diesmal jeder seinen Bo. Zunächst einmal nutzten wir die für uns ungewohnten 'Stäbchen' fürs Aufwärmtraining. Danach wurden Heian Jondan und Heian Godan vertieft, diesmal auch wieder ura und dann gab es die Einführung im grundlegenden Umgang mit dem Bo: Erwin erklärte uns Angriffstechniken und die Zielregionen Men (zum Kopf), Do (zum Hals) und Kote (zur Hand).   

Ein Kind feierte wie jedes Jahr während des Lehrganges seinen 24. Geburtstag und man traf man sich nach dem Abendessen zu einem Wellnessgetränk in der Hotelbar, bevor es an der Strandpromenade  weiter ging das Leben zu zelebrieren. Die Urnauer Karatekas unterwiesen dann den Rest der Gruppe im badensichen Brauch des 'Schnecken checken' und so ging dieser Abend nach wiederholtem Besuch in der Fruchtsaftbude erst sehr spät zu Ende.   

Im Laufe der Woche gingen wir im morgendlichen Training von den Heian Katas über zu den Sentai-Katas wie Bassaidai, Jion und Kankudai - diese aber nicht ura und auch nicht go, dafür in vielen verschiedenen Bunkaiformen. Die Nachmittage am Strand wurden weiter genutzt, um Neuland für alle zu beschreiten: Erwin zeigte uns die Kata Heian Shodan und Heian Nidan mit Bo und stellte uns somit vor eine neue Herausforderung. Doch es gelang uns im Laufe der Woche das anfängliche große Mikado in eine ansehnliche Kata zu verwandeln..

Als krönender Abschluss erwies sich wieder das letzte Strandtraining. Nachdem zu Beginn einige Wiederholungen der vergangene Tage auf dem Programm standen, wollte Erwin wieder einmal 'ordentliches Karate' sehen und setzte dies mit Hapo Kumite in die Tat um. Immer fünf zusammen und los gings... Allerdings nicht ganz so, wie Erwin sich das vorgestellt hatte. 'Zanshin','nochmal' und 'Früher hat man immer auf den Bauch gebrennt' hallte es über den Strand. Hart und fair versuchten wir Erwins Anweisungen in die Tat umzusetzen. Zu guter letzt kämpften wir uns dann mit Gyakuzukis durch eine von den jeweils nicht aktiven Karatekas gebildeten Gasse den Strand entlang bis wir schweissgebadet am Meer angekommen waren. Erwin hatte gesagt 'Bis zum Wasser' und , wenn Erwin sagt 'Bis zum Wasser', dann meint er auch 'Bis zum Wasser' und nicht einen Meter davor-das hatten wir Tags davor schon gelernt und es war uns eine Lehre...(Da ließ er uns die Grundschulkombinationen nämlich nochmal laufen...). Danach grüßten wir wie nach jedem Strandtraining zum Meer und zum Horizont hin ab, ein erhabenes und unbeschreibliches Gefühl: Meeresrauschen, etwas (je nachdem) Sand im Gesicht, gespiegeltes Licht der untergehenden Sonne auf dem Meer, skurrile Wolkenberge am Himmel….

In einem alten mallorquinischem Restaurant feierten wir am letzen Abend traditionell unseren Abschied. Petrus wollte uns für das schweißtreibende Training belohnen: Es war so warm an diesem Abend, dass wir noch bis früh in den Morgen draußen vor dem Restaurant, direkt an der Strandpromenade essen, trinken und feiern konnten. Wir wurden verwöhnt mit Unmengen mallorquinischem Spanferkel, Fleisch und  Fisch vom Feinsten, alles frisch gegrillt am offenen Feuer  auf dem Restaurantgrill. Dazu Berge von Salat, Pommes Frites und Coca (mallorquinische Pizza mit Paprika und Tomate), so dass auch die Vegetarier nicht zu kurz kamen. 
Zur Erinnerung an diesen Lehrgang behängten wir Erwin mit einem Knoblauchzopf und einer Chillischotenkette, zudem reichten wir ihm noch Kapern und mallorquinische Wurst, während Melanie unser interaktives Lehrgangsgedicht vortrug:

Zu trainieren auf Malle hat Tradition
wir treffen uns hier zum 4. Mal schon 
Als Du uns fragtest, wer kommt denn mit, 
wurden nur schnell die Finanzen gecheckt. 
Denn ein Lehrgang mit Dir macht Spaß, ist doch klar, 
erst recht am Strand in der Sonne, wie wunderbar. 

Wir reisten an, Badehose, Bikini und Gi in Gepäck 
neugierig auch: 'Was hat Erwin wohl ausgeheckt?' 
Training mit Bo und Bunkai spezial, weihtest uns ein, 
wir schluckten nur und dachten: 'Das wird ja fein.' 

Dann ging es los: Kata vorwärts, rückwärts und seitenverkehrt, 
manch einer hat davon nie was gehört. 
Es kam der ein' oder andere ganz schön ins Hapern, 
du hattest Geduld, als Dankeschön erhältst du ein Glas Kapern

Das Joggen zum Strand war für uns eine Qual, 
doch das, so schien uns war Dir völlig egal. 
Dort angekommen ging es los mit dem Bo, 
Du schmunzeltest nur: 'Nein nicht so, sondern so.'

Viele von uns mussten das erst mal loten, 
als Dank für Dein Verständnis ein paar Chillischoten
Dann ging es darum Kata anzuwenden, 
nicht immer einfach, wie mit zwei linken Händen. 
Meine Güte, was haben wir manchmal gemurkst, 
doch Du warst bei uns, dafür gibt's mallorquinische Wurst

Am Rande noch das Thema Intuition, 
neben Gundschultraining und Kondition. 
Viele neue Sachen haben wir nun im Kopf 
und dafür gibt es für Dich einen riesen Knoblauchzopf

Uns hat der Lehrgang gemacht sehr viel Spaß, 
auf dich lieber Erwin erheben wir unser Glas.   

 

Dies war einmal mehr ein sehr gelungener Lehrgang und Urlaub, der uns viele neue Anregungen und Einblicke in die Welt des Karate und zudem nette neue Karatefreundschaften brachte.   

Oss Melanie, Alex


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