Bericht vom Mallorcalehrgang 2005

Lehrgang in Mallorca 2005

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Neugierig drängen sich Kinder und Erwachsene um den sprechenden Papagei auf der Strandpromenade von Can Picafort auf Mallorca, während der größte Teil der Touristen faul in der Sonne bräunt oder vergnügt im warmen Wasser des Mittelmeers planscht, als etwas anderes die Aufmerksamkeit eines kleinen Mädchens erweckt.

Aufgeregt schaut sie sich nach ihrer Mutter um, streckt den Zeigefinger aus und fragt: „Mama, sind das Bademäntel?“ Doch die Karatekämpfer, welche sich in enger Formation und in schnellem Laufschritt dem großen leeren Platz auf dem Strand nähern, tragen keine Bademäntel sondern Karate-Gis und Bos (Kampfstäbe). Neben dem traditionellen Kata- und Kumitetraining steht heute auch das Stockfechten auf dem Programm.

 

Der bereits sechste Karatelehrgang dieser Art fand vom 9. bis zum 16. September statt und führte die 11 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Städten Bremen, Rotenburg-Wümme und Krefeld unter der Leitung von Erwin Querl (5. Dan aus Krefeld) nach Can Picafort, einem ehemaligen Fischerdorf im Nordosten Mallorcas.

Trotz einiger Verspätung unseres Fliegers, ereichten wir den Ort mit guter Laune und großen Erwartungen. Untergebracht waren wir im Hotel Galaxia, nur einen Steinwurf vom Strand entfernt, mit freundlicher Atmosphäre und einem hoteleigenen Dojo. Nach einem Wasserschaden war das Dojo komplett renoviert worden; jetzt erstrahlte es in neuem Glanz und lockte uns allmorgendlich um 7:30 Uhr zum Vorfrühstückstraining.

Zum Trainingsinhalt gehörten Kihon, Kata und verschiedene Kumiteübungen. Um ein umfassenderes Verständnis und Körpergefühl der oft einseitig trainierten Karatetechniken verschiedener Kataformen zu vermitteln, wurden auch die Formen Kata-ura (seitenverkehrt durchgeführter Schattenkampf) and Kata-go (rückwärts) trainiert.

Bei den Kumiteübungen stellte vor allem das Erlernen eines sicheren und routinierten Distanzgefühls ein Hauptgewicht des Trainings dar. Während die realitätsnahen Angriffs- und Abkontersituationen anfangs noch mit Fausttechniken zu meistern waren, wurde nach tagelangem Training das direkte Abkontern mit verschiedenen Fußtechniken trainiert. Beim Happo-Kumite schließlich, umringen mehrere Angreifer einen Verteidiger. Bei allen Übungen wurde immer wieder großen Wert auf das Vertiefen des korrekten Hüfteinsatzes gelegt. Bei keiner der Übungen gab sich unser Trainer Erwin mit halben Erfolgen zufrieden. Umso stolzer waren wir, als sich nach mühevollem Training schließlich der verdiente Erfolg einstellte.

Am Ende eines jeden eineinviertelstündigen Morgentrainings war auch der letzte quieklebendig wach und hungrig. Stärken konnten wir uns beim gemeinsamen Frühstück, bevor wir uns in kleinere Gruppen aufteilten, um die karatefreien Zeit bei strahlendem Sonnenschein ausgiebig zu nutzen. Während die einen am Strand faulenzten oder baden gingen, machten sich andere mit Fahrrad, Mietwagen und Wanderschuhen auf den Weg, um Mallorca zu erkunden und die verschiedenen Seiten der Mittelmeerinsel kennen lernen. Um 17 Uhr versammelten wir uns wieder zum eineinhalbstündigen Abendtraining am Strand.

Das Bewegen auf dem ungewohnten aber angenehmen Sanduntergrund, eröffnete uns alternative Perspektiven, um unsere Karatestände und ihre Abdrucksicherheit zu erproben. Eine besondere Erfahrung stellte aber auch das Stockfechten dar, bei dem modifizierte Varianten der Kata Heian-Shodan und Heian-Nidan mit dem Bo exerziert wurden, während am zugehörigen Bunkai (Kumite-Anwendung der Kata) nicht gespart wurde.

Nach dem Training konnten wir uns gleich im Meer erfrischen oder direkt zum Hotel zurück joggen, wo wir uns im Anschluss beim wohlverdienten Abendessen trafen. Den Rest des Tages ließen wir meist gemeinsam an der Strandpromenade ausklingen.

 

Oss Max, Andras

 


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